Leibniz-Forschungsverbund
INFECTIONS´21

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IRG Mensch zu Mensch Übertragung

Die Projektgruppe befasst sich mit der Problematik der Transmission von Tuberkulose Erreger in Randgruppen, d.h. am Rande oder jenseits der durch die öffentliche Gesundheitsversorgung abgedeckten Bevölkerung. Ziel der Projektgruppe ist es, Hintergründe und Bedingungen für die Übertragung von Infektionen in diesen Gesellschaftsgruppen zu beleuchten und Ansatzpunkte für Interventionsmaßnahmen auch im internationalen Vergleich zu identifizieren.

Insbesondere die Zunahme von multiresistenter Tuberkulose stellt derzeit in Deutschland eine große Herausforderung dar. Durch den Zuzug von Menschen aus Ländern mit hoher Prävalenz von multiresistenter Tuberkulose steigt auch in Deutschland die Zahl der durch solche Tuberkuloseerreger verursachten Erkrankungen. Aufgrund der schwierigen und langwierigen Behandlung, die eine Infektion mit multiresistenter Tuberkulose nach sich zieht, ist es überaus wichtig, schon die Übertragung der Krankheit so weit wie möglich zu verhindern. Daher befasst sich das erste Projekt der Projektgruppe hauptsächlich mit Tuberkulose.

In  der ersten Phase des Projekts werden qualitative Interviews mit Tuberkulose-Experten des öffentlichen Gesundheitswesens geführt. Ziel der Interviews ist es, die Migrantengruppen und Übertragungskonstellationen zu identifizieren, die für die Übertragung von multiresistenter Tuberkulose aus gesundheitspolitischer Sicht am relevantesten sind. In der zweiten Projektphase werden dann qualitative Interviews mit Personen geführt, die sich mit der Situation der identifizierten Migrantengruppen und Kontexte auskennen, sowie Interviews mit den betreffenden Migranten und Migrantinnen selbst. Unter Berücksichtigung der generierten Erkenntnisse soll anschließend ein standardisierter Fragebogen entwickelt werden, der beispielsweise Gesundheitseinstellungen, -wissen und -verhalten im Hinblick auf Tuberkulose abdeckt. Mit diesem Fragebogen kann dann eine größere Zahl von Migranten befragt werden, um zu überprüfen inwieweit Zusammenhänge, die die qualitativen Interviews nahelegen, tatsächlich bestehen. Parallel hierzu werden von Projektpartnern Analysen zu gesundheitspolitischen Strategien, u.a. in den Herkunftsländern der Migranten, durchgeführt. Untersucht werden Maßnahmen der Prävention und der internationalen Transmissionskontrolle, auch unter Berücksichtigung der menschenrechtlichen Implikationen.  In allen Phasen des Projekts liegt ein Augenmerk auf der Identifikation von möglichen Ansatzpunkten für Interventionsmaßnahmen mit dem Ziel die Häufigkeit der Übertragung von Tuberkulose zu reduzieren. Wo immer möglich, erfolgt auch eine molekularbiologische Analyse von unter Migranten übertragenen Krankheitserregern der Tuberkulose, um aktuelle Übertragungen zu verifizieren und ggfls. mit Ergebnissen der Fragebogen-Erhebungen zu korrelieren.

Darüber hinaus ist geplant, ein einfaches Informations-Werkzeug (App Explain TB für Mobiltelefone in über 50 Sprachen) hinsichtlich der Wirksamkeit einer raschen Aufklärung über Übertragungswege, Diagnostik- und Therapieverfahren bei der Tuberkulose bei Migranten zu evaluieren.