Leibniz-Forschungsverbund
INFECTIONS´21

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Erstmalig West-Nil-Virus Infektionen in Deutschland

10. Dezember 2018

Culex pipiens, Foto: DWalter/ZALF2018 trat in Deutschland erstmalig das durch Stechmücken übertragene West-Nil-Virus auf, das zu Infektionen und Todesfällen bei Vögeln und Pferden führte. Ein Tierarzt hatte sich ebenfalls infiziert, vermutlich aber durch eine Schmierinfektion während der Sektion eines infizierten Vogels. Warum das Virus zuvor niemals in Deutschland aufgetaucht war, ist unklar, zumal in südeuropäischen Ländern seit vielen Jahren immer wieder Fälle und Ausbrüche registriert wurden. Zur massivsten und am weitesten verbreiteten Epidemie unter Beteiligung zahlreicher humaner Fälle war es in diesem Jahr in Südeuropa schon vor dem Auftreten des Virus in Deutschland gekommen. In Deutschland dagegen ist noch keine durch einen Mückenstich erworbene Infektion des Menschen bekannt geworden.
Das zur Familie der Flaviviren gehörende West-Nil-Virus wurde 1937 in Uganda entdeckt und kann bei Vögeln, Pferden und Menschen Krankheitssymptome auslösen. Beim Menschen verlaufen die meisten Infektionen asymptomatisch oder mit milden, grippeähnlichen Symptomen; wenige Fälle betreffen das Zentralnervensystem und können sogar tödlich verlaufen. Weltweite Aufmerksamkeit bekam diese Zoonose (eine Krankheit, deren Erreger vom Tier auf den Menschen überrtagen wird) Anfang dieses Jahrtausends, als das verursachende Virus erstmals in Nordamerika auftauchte und sich innerhalb weniger Jahre über die ganzen USA ausbreitete. Inzwischen wurde es auf allen fünf Kontinenten nachgewiesen, wobei der Erstnachweis aus Europa (Frankreich) schon aus den frühen 1960er Jahren stammt. Infektionen unterliegen der Meldepflicht.
Als Überträger der Erreger gelten Stechmückenarten verschiedener Gattungen, die z.T. weltweit verbreitet vorkommen. Als Reservoir zur Aufnahme des Virus durch die Stechmücken dienen meist infizierte Vögel. Durch die sinkenden Temperaturen im Herbst gehen die Aktivität der Mücken und deren Populationsdichten stark zurück, wodurch sich die Übertragungswahrscheinlichkeit ebenfalls reduziert.